Wesergebirgsläufer
Neuauflage 2024

⭐ RONY – EIN KLEINER HUND UND EIN GROSSER NEUBEGINN


Ein Monat endet – und etwas Neues beginnt


Der Juli 2018 neigte sich dem Ende zu, und doch fühlte sich dieser Tag an wie ein Anfang. Ein stiller, warmer Sommerabend, an dem unser Zuhause um ein Familienmitglied reicher wurde. Rony war angekommen.

Nach Blackys Gang über die Regenbogenbrücke war Raika in sich zusammengesunken. Sie lief mit, aber ohne Freude. Sie spielte nur noch, wenn man ihr ein Stöckchen warf, und selbst Rocky, der Hund unserer Tochter, konnte sie nicht aufmuntern. Es war, als hätte sie ein Stück ihrer Welt verloren.

Ulrike und ich wussten: Raika braucht wieder jemanden an ihrer Seite. Einen jungen Hund, der sie zum Spielen bringt, der ihr Herz wieder öffnet.

Und so wandten wir uns an die Cocker Rettung – jene Menschen, die uns schon Blacky geschenkt hatten. Britta, Doris und Chris reagierten sofort. Professionell, liebevoll, mit Herzblut. Und dann sahen wir ihn: Rony. Zehn Monate alt. Ein kleiner Mischlingsrüde, der uns sofort an unseren früheren Laufhund Stups erinnerte.

Ein Hund, der acht Monate lang nur eine Box kannte

Was uns nicht zögern ließ, war seine Geschichte. Rony hatte fast acht Monate seines jungen Lebens in einer Box verbracht. Erst bei seiner Pflegestelle – bei Doris und Chris – lernte er, dass Menschen gut sein können. Dass Hände nicht nur festhalten, sondern auch streicheln. Dass Stimmen nicht nur laut, sondern auch warm sein können.


Und nun stand er bei uns. Ein kleiner, aufmerksamer, neugieriger Kerl, der Haus und Hof erkundete, als würde er sich jeden Winkel einprägen wollen. Wenn ihm etwas unheimlich vorkam, bellte er – nicht laut, sondern in seiner ganz eigenen, wunderschönen Art. Raika kam dann sofort zu ihm. Sie gab ihm Sicherheit. Und er nahm sie dankbar an.


Die erste Nacht – ein stilles Wunder


Wir boten ihm drei Schlafplätze im Schlafzimmer an, weich ausgelegt mit Decken und Kissen. Er wählte die kleinste Ecke, die nach drei Seiten geschützt war. Und dort schlief er – ruhig, friedlich, tief. Die ganze Nacht.

Am nächsten Morgen wollte ich mich leise hinausschleichen, um die Zeitung zu holen. Doch ehe ich mich versah, standen beide Hunde neben mir. Ihnen entgeht nichts.



Sie erledigten ihre Geschäfte, kamen wieder rein – und dann geschah etwas, das mich mitten ins Herz traf.


Ich saß am Tisch, die Zeitung vor mir, als eine kleine, kalte Hundeschnauze mich anstupste. Rony. Freiwillig. Er ließ sich kraulen, brummte wohlig, genoss jede Berührung. Dann trottete er zu Ulrike ins Schlafzimmer, stellte die Vorderpfötchen auf ihr Bett und leckte ihr einmal sanft über die Stirn. Ein zarter Gruß. Ein „Guten Morgen“. Ein „Ich bin da“.


Der Bann ist gebrochen

Beim Frühstück beobachtete Rony alles ganz genau. Er wusste, was gleich passieren würde. Geduldig warteten beide Hunde. Kein Betteln, kein Drängeln.


Das erste Stück Wurstbrötchen bekam Raika. Dann Rony. Ganz vorsichtig nahm er es aus meiner Hand. In diesem Moment war der Bann gebrochen.


Als ich „alle“ sagte, schauten beide noch einmal zu Ulrike – und legten sich dann in ihre Ecken. Selbst Rony, als hätte er das schon immer gekonnt.


Ich war fassungslos. Ulrike lächelte nur und sagte: „Wir waren füreinander bestimmt.“


Die Zeit des Wartens – und der schönste Teil des Tages

Nach dem Frühstück legten sich beide Hunde in die Sonne, kamen wieder rein, schauten, was wir machten. Raika kannte den Ablauf. Sie wusste: Gleich kommt der schönste Teil des Tages.


Und Rony lernte schnell. Er übernahm ihre Ruhe, ihre Geduld.


Als ich die Leinen nahm, brauchte ich kein Wort zu sagen. Ich öffnete die Autotür – Raika sprang hinein, und Rony folgte ihr, als hätte er das sein Leben lang getan. Stolz saßen sie nebeneinander. Ein Traumpaar.


Der große Stresstest: Rocky


Doch für uns begann jetzt der schwierigste Moment. Rocky. Der Hund unserer Tochter. Ein lieber Kerl – aber Blacky war sein größter Feind gewesen. Wenn die beiden aufeinandertrafen, gab es Kämpfe bis aufs Blut.


Und nun? Was würde passieren, wenn Rocky Rony traf?


Rocky war täglich bei uns, bis unsere Tochter Feierabend hatte. Wenn die beiden sich nicht vertragen würden, wäre das eine Katastrophe.


Wir fuhren zu unserer Tochter. Rocky erwartete mich schon, brachte mir seine Leine. Doch je näher wir dem Auto kamen, desto schneller schlug mein Herz.


Rocky sprang wie immer zu Ulrike in den Fußraum. Doch dann begann er zu grummeln. Er roch, dass etwas anders war. Rony merkte es auch. Zwei Hunde, die sich noch nicht gesehen hatten – aber wussten, dass der andere da war.


Die zwei Kilometer zum Gevattersee wurden zu den längsten meines Lebens.


Neun Hunde – und ein Wunder


Am See stiegen alle aus. Und im selben Moment kam Andreas mit seinem Rudel: fünf Cocker und ein querschnittsgelähmter Labrador im Rollstuhl.


Neun Hunde. Ein Chaos – dachte ich.


Doch es geschah das Gegenteil.


Rocky und Rony beschnupperten sich – und wurden Freunde. Sofort. Ohne Knurren. Ohne Spannung. Einfach so.


Der gelähmte Aki wurde von Rony liebevoll an den Ohren geleckt. Die anderen Cocker begrüßten ihn freundlich. Es war, als wäre er schon immer Teil dieser Gruppe gewesen.


Ich war überwältigt. Ulrike auch. Rony war angekommen. Richtig angekommen.



Der Gevattersee – und ein Moment, der alles verändert

Wir gingen weiter zum See. Raika stürmte wie immer zur ersten Wasserstelle. Und dann geschah das nächste Wunder.


Rony sah das Wasser – und sprang hinein. Ohne zu fragen. Ohne zu zögern.


Er lief auf dem Grund entlang, verlor den Boden – und schwamm. Als hätte er es immer getan.


Ich war sprachlos. Ich war glücklich. Ich war dankbar.


Und dann folgte Rocky ihm ins Wasser. Rocky, der zwölf Jahre lang nie freiwillig geschwommen war.


Was hatte dieser kleine Hund an sich? Wie konnte er so viel verändern?



Ein Rudel, das wächst – und ein Herz, das sich öffnet

Ich schrieb meiner Tochter über WhatsApp, wie gut alles lief. Eine zentnerschwere Last fiel von uns ab.


Wir wanderten weiter. Raikas Stöckchenweg. 500 Meter Stöckchen werfen – jeden Tag. Rony beobachtete, verstand, wollte mitspielen. Ich suchte ihm ein Stöckchen – und er brachte es mir, stolz, glücklich, voller Freude.


Rocky wich ihm nicht von der Seite. Raika beobachtete alles mit der Gelassenheit des Alters.


Dann trafen wir Birgit mit ihrem Rudel. Ihr großer Hund stellte sich schützend zwischen Rocky und Rony, wenn Rocky zu stürmisch wurde. Ein sanfter Riese.


Rony wurde auch dort sofort akzeptiert.


Pferde, Waldwege und ein Hund, der alles richtig macht

Auf dem Rückweg begegneten uns drei Pferde. Raika und Rocky setzten sich an den Wegrand – wie immer. Und Rony? Er tat es ihnen gleich. Ohne ein Wort.


Nach über zwei Stunden und knapp vier Kilometern kamen wir zurück zum Auto. Rocky war erschöpft. Rony nicht. Er strahlte.


Ein Hund, der Vertrauen schenkt


Rony ist ein wunderbarer kleiner Kerl. Wenn er Nähe braucht, kommt er. Wenn man ihn ruft, kommt er sofort. Er vertraut. Er lernt. Er liebt.

Und all das hätte ich in einem Satz sagen können:



Rony ist angekommen.






Raika teilt ihren schönsten Platz sofort mit Rony, als ob er schon ewig bei ihr ist.


Hallo, da bin ich






Nachbars Charly ist mein erster Gast.


Raus pirschen. Revier erkunden.


Hier kann man es aushalten


Der kleine Prinz


Wäre doch gelacht. Ich und kein Bett finden?


Neben Herrchens Computer, so hab ich ihn immer unter Kontrolle.


Revier erkunden, der Hof ist groß.


Ich kann immer rein und raus, so wie ich will. Meist kommt Raika mit


Da hinten höre ich Kinderstimmen. Moritz und Mia freuen sich über mich und rufen immer.


Warten auf Besuch. Hier kommen so viele Hunde vorbei. Die will ich alle kennen lernen.


Wasser ist meine Welt.


Wie toll ist das hier. Und so viele Freunde.


Mit dem Stöckchen im Wasser spielen. So herrlich.


Dann wieder ans Ufer zurück und mit Vollgas zurück ins Wasser.




Selbst Rocky folgt mir, der sonst nie ins Wasser geht.


Herrlich, immer wieder herrlich hier.














23.02.2020


Rony möchte Chef werden.


Die große Raika passt schon auf mich auf.


So ein Mittagsschläfchen ist doch herrlich.


Herrchen saugt Staub. Solange bleibe ich mal hier oben.


Verletzt. Aber ich halte tapfer durch. Raika ist ja bei mir.


Blöder Hot Spot.


Von hier haben wir einen guten Überblick über den ganzen Hof.

Morgens im Badezimmer.


Fünf Minuten vor der Fressens Zeit muss ich Frauchen so daran erinnern. Könnte ja sein das sie den Zeitpunkt vergisst.


Gemütlich hier.


Rocky ist zu Besuch. Bester Kumpel.


Was geht's uns gut


Unterwegs am Gevattersee mit Raika, Rony und Zoe.


Gleich geht es los. Raika passt auf das keiner meine Wandersachen klaut.


Hier kann ich es wohl aushalten. Wo geht es hin?


Im Wald ist es am schönsten. Hier treffen wir immer wieder neue Kumpel.