und warum ich Streaker bin
• Nach vielen intensiven und schönen Laufjahren begann für mich am 28.07.2003 etwas Neues. Etwas, das nicht nur mein Training veränderte, sondern mein ganzes Leben: Ich begann zu Streaken.
• Von diesem Tag an laufe ich jeden einzelnen Tag mindestens eine Meile. Egal, ob Regen fällt, Schnee knirscht, die Nacht tiefschwarz ist oder der Alltag schwer auf den Schultern liegt. Es ist ein Versprechen an mich selbst – und ein stiller Dialog mit meinem Körper.
• Zum ersten Mal hörte ich von dieser Idee auf der Seite von Robert Bock. (For ever young) Im Forum von Laufen-aktuell begegnete ich dann Erich Mickler. Seine ruhige, weite, gelassene Art zu laufen hat mich sofort berührt. Wir teilen dieselbe Philosophie: Nicht hetzen. Nicht jagen. Langsam laufen, weit laufen, im Rhythmus der eigenen Schritte.
• Erich gründete später ein Yahoo Group, in der wir uns austauschten, voneinander lernten und unsere Erfahrungen teilten. Dort liegt auch mein Lauftagebuch – offen für jeden, der Verstehen möchte, was tägliches Laufen mit einem Menschen macht.
• Laufen ist für mich ein Sport fürs Leben. Seit über 20 Jahren begleitet es mich – treu, geduldig, fordernd, heilend. Ich bin von großen Verletzungen verschont geblieben, vielleicht weil ich gelernt habe, zuzuhören. 2004 wollten wir gemeinsam den langen Rennsteig laufen, fachsimpeln, lachen, schweigen, einfach laufen. Auch Erichs Homepage ist voller kleiner Schätze, die man nur findet, wenn man mit dem Herzen liest.
• Eine wunderbare Seite zum Thema Streakrunning findet man bei Robert Bock unter „Laufen“. Dort wird auch die Ernährung beleuchtet – ein Thema, das ich lange unterschätzt habe. Einige seiner Empfehlungen habe ich übernommen, und ich bin sicher: Sie haben mich über viele tausend Kilometer getragen. Vollwertige Ernährung ist wie ein zweites Paar Beine.
• Und so laufe ich nun täglich. Viele halten mich für verrückt. Ich lächle nur und denke: Ich laufe immer noch. So falsch kann es also nicht sein.
• Durch das tägliche Laufen höre ich tiefer in mich hinein als je zuvor. In den letzten 152 Tagen habe ich mehr über meinen Körper gelernt als in den 20 Jahren davor. Ich spüre, wann Müdigkeit kommt, wann eine Sehne flüstert, wann ich Tempo oder Umfang reduzieren muss. Ich wechsle Strecken, variiere, höre zu.
• Am meisten geprägt haben mich meine langen Rucksackläufe. Oft starte ich mitten in der Nacht, nur mit Stirnlampe und Rucksack. Die Welt schläft, und ich laufe durch Stille, Dunkelheit, Kälte, Freiheit. 50, manchmal 60 Kilometer. Ein Abenteuer, das nur mir gehört.
• Wird das Wetter halten? Reicht die Kraft? Passt die Logistik? Diese Fragen begleiten mich – und machen jeden Lauf lebendig. Noch nie musste ich mich abholen lassen. Vielleicht, weil ich unterwegs immer wieder zu mir selbst zurückfinde.
• Unvergessen bleiben die Winterläufe im Deister. Mit Christoph, dem Deisterläufer, stapften wir durch Schnee und Eis, experimentierten mit Ernährung, kämpften uns durch Hungeräste – und kamen jedes Mal stärker heraus. Diese Gespräche, diese Stille, diese Weite… Das sind Momente, die das Leben reicher machen.
• Schade, dass es nicht mehr Läufer gibt, die solche Wege mitgehen. Aber vielleicht ist es gerade das, was diese Erlebnisse so kostbar macht.
Meine bisherigen Laufserien
1️⃣ 1. Streak (28.07.2003 – 17.10.2004)
• 448 Tage, 7137,79 km
Beginn der ersten Streak am 28.07.2003 und Ende am 17.10.2004, dem 448. Streak Tag. Bis dahin bin ich 7137,79 Kilometer gelaufen. Eine Anal Thrombose bildete sich rasch in Walnuss Größe aus und musste operativ entfernt werden. Nicht angenehm, so was.
2️⃣ 2. Streak (23.10.2004 – 16.05.2005)
• 206 Tage, 2489 km
Nach überstandener Krankheit starte ich am 23.10.2004 eine neue Streak. Diese hält bis zum 16.05.2005, also 206 Tage. Dann reißt auch diese Serie. 2489 km bin ich in der Streak gelaufen. Grund dafür: Streptokokken, schwere Halsentzündung und Antibiotikum Einsatz in hohen Maße.
3️⃣ 3. Streak (01.06.2005 – 29.07.2006)
• 424 Tage, 5222,49 km
• Ende wegen Problemen an der Halswirbelsäule
Diese dritte Serie begann am 01.06.2005 und endet am 29.07.2006 Das war wieder eine lange Serie mit 424 Tagen und 5222,49 km. Ursache des Abbruchs sind schwere Probleme mit der Halswirbelsäule.
4️⃣ 4. Streak (23.10.2006 – 30.03.2007)
• 151 Tage, 957 km
• Ende durch Karpaltunnelsyndrom & Gelenkentzündungen
Die vierte Serie beginnt am 23.10.2006 und läuft am 30.03.2007 aus. Es geht nichts mehr. Mit 151 Tagen ist sie meine bisher kürzeste Streak. Dabei legte ich 957 km zurück. Karpaltunnelsyndrom an beiden Händen und schwere Gelenk Entzündungen machen das Leben zur Hölle.
5. Streak (02.09.2007 – 08.10.2007)
• 37 Tage
• Ende durch Folgen zweier Zeckenbisse und lange Krankheit
Sie beginnt am 02.09.2007. Mal sehen, wie lange ich diesmal durchhalte.
Am 8.10.2007 endet die 5. Streak nach nur 37 Tagen. Die Gesundheit lässt nicht mehr zu. Es dauert über ein Jahr, bis ich wieder laufen werde. Die Folgen des Zeckenbisses vom Juli 2007 und März 2004 zwingen mich in die Kniee. Ein halbes Jahr werde ich mit Antibiotikum behandelt, mach eine Imunmodulation mit, Darmflora und Säurehaushalt müssen sich wieder einpegeln. Dazu kommt noch eine Überfunktion der Schilddrüse.
6️⃣ 6. Streak (02.08.2008 – 24.09.2008)
• Ende wegen orthopädischer Beschwerden & Kiefer-OP
Am 02.08.2008 beginne ich mit der 6. Streak. Die endet am 24.09.2008 aufgrund schwerer orthopädischer Beschwerden an der Halswirbelsäule und einer nötigen Kieferoperation. Arthrose in beiden Kiefergelenken, die im Klinikum operiert werden müssen.
7️⃣ 7. Streak (15.01.2010 – 01.06.2010)
• 1229,5 km
Sie beginnt am 15.01.2010 und endet am 01.06.2010. In der Zeit bin ich 1229,5 km gelaufen.
8️⃣ 8. Streak (19.06.2011 – 13.04.2012)
• 300 Tage, 2234 km
Sie beginnt am 19.06.2011
Die Streak endet aus gesundheitlichen Gründen am 13.04.2012.
Sie dauerte genau 300 Tage in denen ich 2234 km gelaufen habe.
9️⃣ 9. Streak (01.01.2013 – 03.11.2013)
• 307 Tage, 2654 km + über 1000 km mit Hunden gewandert
• Ende durch geplatzte Ader in der Speiseröhre
Sie beginnt am 01.01.2013 und endet am 03.11.2013 im Schaumburger Wald. Dort platzt mir beim Laufen eine Ader in der Speiseröhre und ich spucke kräftig Blut. Für ein paar Tage lande ich im Krankenhaus. 307 Tage bin ich bis dahin täglich gelaufen. Habe dabei 2654 km zurückgelegt und noch einmal über 1000 km mit den Hunden gewandert
🔟 10. Streak (22.08.2016 – 28.08.2016)
• Sehr kurze Streak wegen Knoten in der Wange und OP
Nachdem ich fast das ganze Jahr 2014 mit Rückenschmerzen laborierte und läuferisch immer wieder Rückschläge einstecken musste, war ich fast am Verzweifeln.
2015 war dann der Höhepunkt. Einen Tag nach unserem viertzigsten Hochzeitstag hatte ich OP-Termin. Doppelter Bandscheibenvorfall, der direkt auf die Nerven drückte und immer wieder mein linkes Bein lähmte. Mehre Stürze waren die Folge.
Nach erfolgreicher OP begann ich vorsichtig mit wandern. Immer mindestens ein Hund im Schlepptau. Das baute mich wieder auf und gelegentlich legte ich kleine Laufeinheiten ein.
Seit dem 22.08.2016 laufe ich nun wieder täglich. Mal am Gevattersee, mal im Berg. Die Abwechslung ist wichtig und tut meinem Rücken richtig gut.
Nun bin ich gespannt, wie lange diese Laufserie anhält und ob mein Rücken mitspielt.
Am 28.08.2016 muss ich diese kleine Streak schon wieder beenden. Seit einigen Tagen bildet sich in meiner linken Wange ein Knoten. Er ist steinhart und hat mittlerweile einen Durchmesser von gut einem Zentimeter.
Ich besorge mir einen Termin bei meiner Zahnärztin. Die ist nicht begeistert von dem Knoten und überweist mich sofort zum Kiefer und Gesichts Chirurgen.
Dort wird mir am 07.09.2016 der Knoten operativ entfernt. Der Verdacht, dass es ein Speichelstein gewesen sei, bestätigt sich dabei jedoch nicht. Die Chance, dass sich ein neuer Knoten bildet, wurde mir mit 10% angegeben.
Sportverbot für zehn Tage, keine schwere körperliche Arbeit und viel Ruhe wurden mir verordnet.
Mal abwarten, was davon wird.
1️⃣1️⃣ 11. Streak (06.08.2017 – 02.09.2017) 😢😢😢
Nachdem mir fünf Stents eingesetzt wurden begann am 06.08.2017 die 11. Streak. Wahrscheinlich war mir nicht bewusst, wie krank ich wirklich bin. Die koronare Herzkrankheit und die Beeinträchtigung durch die Medikamente, beendeten sehr schnell meine Euphorie. Bereits am 02.09.2017 war es vorbei. Jetzt sind Geduld und Vernunft gefragt.
Überleben ist Glücksache.
NEVER GIVE UP
